Klarer Blick ins All: Teleskopspiegel-Reinigung im Stellarium Gornergrat
Auch ein Teleskopspiegel will gereinigt sein – ab einem gewissen Verschmutzungsgrad benötigt der Hauptspiegel ein Bad: Auf dem Gornergrat trüben lokale Wetterereignisse (z. B. Saharastaub), Kondensation und Abtropfen vom Kuppel-Innenraum wie auch anderes mehr den Spiegelglanz. Leichter gesagt als getan, denn dazu muss die sogenannte Spiegelzelle von der Teleskopstruktur getrennt werden – ein delikates Unterfangen. Mit vereinten Kräften haben wir diese spannende Aufgabe gemeistert.
Mit Sack und Pack auf den Gornergrat
Bereits bei der Vorbereitung der Reinigungsaktion konnten wir uns auf die Expertise von Beat Hiltbrunner, frisch pensionierter Werkstattleiter des Astronomischen Instituts der Universität Bern (AIUB, https://www.aiub.unibe.ch/index_ger.html) verlassen. Zudem hat uns Peter Schlatter, ebenfalls ehemaliger Mitarbeiter des AIUB und Teleskopspezialist, telefonisch unterstützt. Mit reinem Gas (zum Abblasen von Staub und zum Trocknen der Spiegeloberfläche nach der nassen Reinigung), sowie freundlicherweise von der Abteilung Space (https://www.space.unibe.ch/) der Universität Bern zur Verfügung gestelltem ent-ionisiertem Wasser (dieses verdunstet rückstandsfrei), aber auch alltäglichen Hilfsmitteln wie Geschirrspülmittel, steriler Baumwolle und Haushaltpapier sind wir auf den Gornergrat gefahren.


Die Vorarbeiten haben’s in sich
Die eigentliche Herausforderung stellte sich gleich zu Beginn: Wie können wir die Spiegelzelle vom Rest des Teleskops lösen und dabei sicherstellen, dass diese (und auch wir selbst!) nicht zu Schaden kommt? Zudem wollen wir verhindern, dass die Feineinstellungen des Teleskops beeinträchtigt werden. Nach einigen Umwegen konnten wir diese Aufgabe lösen. Mit Videoaufnahmen wurde das Vorgehen dokumentiert, um die Arbeiten bei einem nächsten Mal zu vereinfachen.


An die Reinigungsarbeit!
Einmal freigelegt, wird der Spiegel vorsichtig gereinigt. Dabei wird zunächst das hochreine Wasser auf den Spiegel gespritzt und dieser anschliessend mit dem Gas trocken geblasen. Hartnäckigere Verschmutzungen tupfen wir mit Wattebauschen weg, die mit einer Lösung aus Wasser und Geschirrspülmittel getränkt sind. Mit viel Geduld erhalten wir so nach mehreren Zyklen ein sehenswertes Ergebnis.


Der Dekonstruktion folgt die Rekonstruktion
Dank der eingangs gesammelten Erfahrungen fällt uns das Wiederverbinden der Spiegelzelle mit der Struktur leichter als der umgekehrte Schritt. Mit der vorhandenen Hebevorrichtung und einigen Spannseilen können wir die Spiegelzelle in passender Neigung ans Gehäuse anbringen.

Banges Warten auf den Praxistest
Ende gut, alles gut? Wir schliessen unser Projekt ab, im Wissen darum, dass erst die nächste klare Nacht den Erfolg oder Misserfolg unseres Wirkens aufzeigen wird. Und siehe da: Die Aufnahmen aus den Tiefen des Alls sind von hervorragender Qualität.




Die Bilder wurden mit dem Teleskop “RiFast” der italienischen “Officina Stellare” und einer CCD-Kamera der Marke “Finger Lakes Instrumentation” (16 Megapixel) mit einem Filterrad von “Astrodon” bei Belichtungszeiten zwischen 30 und 185 Sekunden auf dem Gornergrat aufgenommen. Bei der Struktur oben links handelt es sich um den Cirrusnebel, einer Ansammlung von Wolken aus Gas und Staub (letztere bestehen aus kleinen Molekülen, z.B. Kohlenstoff), die selber Licht abstrahlen oder Licht von benachbarten Sternen streuen. Der Emissionsnebel (Katalognummer NGC 6853) oben rechts zeigt das Endstadium eines Sterns ähnlich unserer Sonne: Im Zentrum verbleibt ein weisser Zwerg, der die abgestossene Sternhülle zum Leuchten bringt. Der Trifid-Nebel (M 20) unten links dagegen ist ein Sternentstehungsgebiet: Teile einer gigantischen Wasserstoff-Gaswolke ziehen sich unter dem Einfluss der Schwerkraft zusammen. Bei genügend grossem Druck und extrem hoher Tempertur kommt es in einem solchen “Gasball” zur Kernfusion – ein Stern ist geboren. Unten rechts der Kugelsternhaufen M 13. In solchen Haufen haben sich uralte Sterne infolge ihrer gegenseitigen gravitativen Anziehung versammelt, die gemeinsam um unsere Galaxie kreisen. Ein Blick vom Gornergrat an den Rand der Milchstrasse!
Monika Hager, Juli 2025
